Erhöhte Badeunfallgefahr als Folge der Corona-Pandemie

Über 60 Prozent aller Bürger, die letztes Jahr ertrunken sind, starben zwischen Juni und August, wie aus der aktuellen Ertrinkungsstatistik der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft e.V. (DLRG) hervorgeht. Laut Experten verstärkt die Corona-Pandemie das Risiko von Badeunfällen auch in diesem Jahr noch weiter. Was jeder Einzelne beachten sollte, um unfallfrei durch die Badesaison zu kommen, ohne auf den Schwimmspaß verzichten zu müssen.

Letztes Jahr ertranken nach Angaben der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft e.V. (DLRG) 378 Menschen in Deutschland. Davon starben 234 Personen, das sind 62 Prozent aller Ertrunkenen, von Juni bis August. 901 Menschen konnte die DLRG vor dem Ertrinken retten. Grundsätzlich besteht die Gefahr zu ertrinken überall, egal ob in Flüssen, Seen und Meeren, in Kanälen und Hafenbecken, in Gartenteichen und Swimmingpools sowie in Schwimmbädern. Die DLRG blickt zudem wegen den Folgen der Corona-Pandemie mit großer Sorge auf die diesjährige Badesaison.

„Wir befürchten für die Sommersaison 2021 deutlich mehr Probleme und Zwischenfälle am und im Wasser als bereits in der Saison 2020“, sagt Achim Wiese, ein Sprecher der DLRG. „Viele unterschätzen, wie viel Fitness verloren gegangen ist, wenn sie lange zu Hause sind und sich über einen langen Zeitraum nicht regelmäßig und ausreichend bewegen“, so Wiese weiter.

Verschlechterung der Schwimmfertigkeiten

Bereits unter normalen Bedingungen gibt es zahlreiche Ursachen, die häufig zu schweren bis hin zu tödlichen Badeunfällen führen, wie Leichtsinn, Selbstüberschätzung, mangelnde Fitness sowie Vorerkrankungen oder sonstige körperliche Beeinträchtigungen. Die Experten des DLRG befürchten aufgrund der Corona-Pandemie zudem eine Verschlechterung der Schwimmfertigkeiten. So fehlten während der Corona-Krise als Folge der Schwimmbadschließungen für Personen, die bereits schwimmen können, die Trainingsmöglichkeiten.

Zudem hatten wegen der geschlossenen Schwimmbäder auch viel weniger Kinder die Möglichkeit, Schwimmen zu lernen. Der DLRG rechnet deswegen „sowohl mit einem weiteren Anstieg schwimmunfähiger Kinder als auch mit erhöhten Ertrinkungszahlen speziell in den Sommermonaten“. Wiese mahnt daher: „Wir können die Menschen nur sensibilisieren, ihre körperlichen Kräfte nicht zu überschätzen und ausschließlich an bewachten Abschnitten baden zu gehen.“

Hohes Risiko für Kinder

Grundsätzlich ist es wichtig, Kindern möglichst früh das Schwimmen zu lernen. Schon für Kleinkinder ab dem vierten Lebensjahr werden entsprechende Schwimmkurse angeboten. Bereits Babys und Kleinkinder sollten beispielsweise im Rahmen eines Baby-Schwimmkurses an den Aufenthalt im Wasser gewöhnt werden. Dies kann nicht nur überlebenswichtig sein, sondern ist auch gesund und fördert zudem die kindliche Entwicklung und das Selbstvertrauen, so Gesundheitsexperten.

Wichtig zu wissen: Für Kleinkinder ist selbst ein niedriges Gewässer eine hohe Gefahr: Da ihr Kopf im Verhältnis zum Gesamtkörper sehr schwer und die Muskulatur noch ungeübt ist, besteht die Gefahr, dass ein Kleinkind selbst bei geringer Wassertiefe von gerade einmal 30 Zentimetern seinen Kopf nicht eigenständig aus dem Wasser heben kann. Eltern sollten deshalb dringend darauf achten, dass Kleinkinder nicht unbemerkt zum Wasser wie zum Beispiel zu Teichen und Swimmingpools gelangen können.

Allgemeine Sicherheitstipps unbedingt befolgen

Doch auch ältere Kinder, Jugendliche und Erwachsene, die bereits schwimmen können, sind diversen Risiken ausgesetzt. Nicht selten überschätzen sie sich häufig selbst oder unterschätzen die Gefahren, die fehlende Fitness, Vorerkrankungen, Sprünge in zu flache Gewässer, weites Hinausschwimmen und abtreibende Strömungen mit sich bringen. Die DLRG rät daher allen, folgende Grundsatzregeln einzuhalten, damit das Verletzungsrisiko oder die Gefahr zu ertrinken so klein wie möglich bleibt:

  • Jeder, der schwimmen geht, sollte gesund sein und sich wohlfühlen.
  • Erst wenn man sich geduscht und abgekühlt hat, sollte man ins Wasser gehen. Auch wer von der Sonne aufgeheizt ist, sollte nicht ins kalte Wasser springen.
  • Niemals sollte man mit vollem oder ganz leerem Magen oder alkoholisiert zum Schwimmen gehen.
  • Als Nichtschwimmer sollte man nur in ein Nichtschwimmerbecken gehen und nur bis zum Bauch ins Wasser gehen.
  • Man darf nicht seine eigene Kraft überschätzen und beispielsweise nur so weit hinausschwimmen oder so tief tauchen, wie man ohne konditionelle Probleme wieder zum Ufer zurückkommt.
  • Ins Wasser springen sollte man nur dort, wo es erlaubt und für sich oder andere ungefährlich ist. Dazu sollte man das Gewässer gut kennen, denn in unbekannten Gewässern können von Wasser überdeckte Felsvorsprünge oder sonstige Gefahren lauern.
  • Wasserflächen unter Sprunganlagen oder im Auslauf von Rutschen sind sofort wieder freizumachen und nicht als Aufenthaltsbereich zu nutzen.
  • Wer im Wasser friert, sollte an Land gehen. Anderenfalls drohen Muskelkrämpfe, die beim Schwimmen lebensgefährlich werden können
  • Bei Gewitter ist das Baden lebensgefährlich. Das Wasser sollte daher umgehend verlassen und ein festes Gebäude aufgesucht werden.
  • Grundsätzlich sollte bei öffentlichen Gewässern nur in den ausgewiesenen Badezonen gebadet werden.
  • Wo Schiffe und Boote fahren, ist das Baden und Schwimmen zu gefährlich.
  • In Schwimmbädern und an Seen oder Flüssen aufgestellte Hinweisschilder, die beschreiben, was erlaubt oder verboten ist, wie beispielsweise ein generelles Badeverbot oder das Verbot, von der Seite in ein Schwimmbecken zu springen, müssen beachtet und eingehalten werden.

Weitere Tipps, wie sich Unfälle am und im Wasser zum Beispiel im Schwimmbad oder in öffentlichen Gewässern vermeiden lassen, und worauf besonders Eltern mit Kindern achten sollten, enthält der DLRG-Webauftritt.

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