Bitte links abbiegen!

„Links ist dort, wo der Daumen rechts ist“. Wenn man jetzt noch wüsste, wo rechts ist, dann wäre die Sache eigentlich ganz einfach. Egal ob beim Autofahren, in der Schule oder im Sportverein: ständig sind wir darauf angewiesen, uns anhand der Richtungen zu orientieren. Rund 20 – 30% der deutschen Bevölkerung leiden an einer Rechts-Links-Schwäche, welche sich dadurch äußert, dass Betroffene links und rechts nicht oder nur schwer auseinanderhalten können. Weder mangelnde Intelligenz oder gar Dummheit sind der Grund hierfür. Es handelt sich um eine Blockade im Gehirn, die es den Betroffenen schwer macht, sich egozentrisch zu orientieren.

Um den Ursprung dieser Blockade zu erklären, gibt es zwei verschiedene Ansätze. Evolutionspädagogen sind der Meinung, dass eine Rechts-Links-Schwäche durch das Überspringen von Entwicklungsstufen in der Kindheit ausgelöst werden kann. Normalerweise werden Neugeborene erst einmal im Arm gewogen. Später lernen sie, über den Boden zu robben, zu krabbeln, sich aufzurichten und schließlich zu gehen. Fehlt einer dieser Schritte, so kann eine Rechts-Links-Schwäche die Folge sein.

Ein anderer Erklärungsansatz geht bis in die Steinzeit zurück: Damals orientierten sich die Höhlenmenschen allein an den Himmelsrichtungen und der Sonne. Diese Fähigkeit wurde heutzutage, zumindest in Europa, weitestgehend verlernt. Stattdessen wurden die neuartigen Begriffe „rechts“ und „links“ eingeführt, welche weniger eindeutig sind, als die Himmelsrichtungen. Norden, Süden, Westen und Osten liegen immer in derselben Richtung, egal wo sich der Betrachter befindet. Links und Rechts variieren jedoch, je nach Standpunkt des Betrachters. Dieser grundlegende Unterschied in der Richtungsbestimmung kann ebenso ein Grund dafür sein, dass links und rechts häufig verwechselt werden, denn der Urinstinkt des Menschen geht zurück auf die Himmelsrichtungen.

Glücklicherweise ist eine Rechs-Links-Schwäche leicht therapierbar. Es gibt viele Übungen, die problemlos in den Alltag integriert werden können; um sich immer wieder bewusst zu machen, wo rechts und wo links ist. Außerdem gibt es einige Merkhilfen, die für Außenstehende nicht auffallend sind; dem Betroffenen aber gerade in stressigen Situationen eine Stütze sein können.

Übungen zur Selbsttherapie

  • Zunächst eine einfache Übung, die bei regelmäßiger Durchführung viel bewirken kann: Sehen Sie sich Ihre Umgebung an und machen Sie sich bewusst, welche Gegenstände sich rechts von Ihnen befinden und welche sich auf Ihrer linken Seite befinden. Danach wechseln Sie die Perspektive und ordnen die Gegenstände wieder den Richtungen rechts und links zu.
  • Eine weitere Übung, die beide Gehirnhälften aktiviert; ist das überkreuzte Berühren von Ellenbogen und Knie vor dem Körper. Hierzu stellen Sie sich aufrecht hin, winkeln Ihre Arme an und bringen nun zeitgleich Ihren rechten Ellenbogen und Ihr linkes Knie in die Körpermitte. Halten Sie kurz inne und lösen Sie die Position wieder. Dann wiederholen Sie die Übung mit dem linken Ellenbogen und dem rechten Knie. Während der Übung machen Sie sich immer wieder bewusst, welcher Ellenbogen und welches Knie gerade bewegt wird.

Diese beiden Übungen können helfen, die Rechts-Links-Schwäche dauerhaft zu mindern. Gerade in Stresssituationen ist es für Betroffene aber trotzdem schwierig, links und rechts instinktiv richtig zuzuordnen. Hierfür eignen sich Gedächtnisstützen, die eine der beiden Richtungen eindeutig kennzeichnen.

Merkhilfen für stressige Situationen

  • Das Tragen eines Armbandes oder eines Rings an der rechten Hand oder der farbige Schnürsenkel am rechten Schuh bieten sich an, um im Notfall „spicken“ zu können.
  • Eine andere Merkhilfe ist das L welches sich aus dem Daumen und dem Zeigefinger der linken Hand formt, wenn man die beiden Finger ausstreckt und von oben betrachtet. L wie „Links“!

In jedem Fall gilt: eine Links-Rechts-Schwäche kann gut therapiert werden, nur nicht von heute auf morgen. Wie bei so Vielem ist Geduld das Stichwort!

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