Unsere ALH Krisen-Helden: Ausgabe #5

Was steckt hinter den ALH Krisen-Helden? 

Wir haben uns im Konzern umgehört – welche Kolleginnen und Kollegen leisten gerade in der aktuellen Situation rund um Corona Besonderes? Sei es ein Nachbarschaftsdienst, soziales Engagement oder einfach die Tatsache, dass sie alles tun um für andere da zu sein – beruflich oder privat. Was ist Ihre Corona-Geschichte?

In dieser Ausgabe haben wir ein Interview mit Herrn Dr. Hakimi geführt. Unser Medizinier und Betriebsarzt am Standort Stuttgart. Wie er die ganze Situation und die Änderungen in unserem Konzern während Corona wahrgenommen hat, erzählt uns hier. 

ALH: Herr Dr. Hakimi, wie haben Sie als Mediziner die rasante Entwicklung rund um Covid-19 wahrgenommen – generell und im Konzern?

Dr. Hakimi: Ich kann mich noch gut an die Bilder im Fernsehen vom Dezember 2019 erinnern, als Covid-19 in der chinesischen Millionenstadt Wuhan ausgebrochen ist. Damals schien das alles noch sehr weit weg, aber ich war alarmiert. Damals hätte ich aber nicht gedacht, dass diese Erkrankung mit solcher Wucht in Europa und in den USA aufschlägt, sondern fühlte mich in Deutschland sicher und gut aufgehoben.

Zu dieser Zeit gab es in ganz Europa Fehleinschätzungen in Bezug auf Covid-19. Als Beispiel sei das Zitat von Bundesgesundheitsminister Jens Spahn genannt, Corona sei weniger schlimm als die jährliche Grippewelle. Es hat doch einige Zeit gedauert, bis die Tragweite der Erkrankung von Seiten der Politiker, aber auch der Ärzteschaft begriffen wurde. Die wahre Tragweite hat man erst erkannt, als uns die schrecklichen Bilder von Chaos und massenhaften Toten in Mailand und Bergamo erreichten.

In unserem Konzern hingegen war dies anders. Dadurch, dass Italien einige Wochen vor Deutschland von Covid-19 schwer getroffen wurde, hatten sowohl die Krankenhäuser, als auch wir im Konzern 2-3 Wochen Zeit uns vorzubereiten. Der erste Impact fing mit der Faschingswoche an. Viele unserer MitarbeiterInnen waren in Südtirol beim Skifahren oder auf Faschingsveranstaltungen, einige davon haben sich mit dem neuartigen Coronavirus infiziert.

Nun galt es die Infizierten und ihre Kontaktpersonen der Kontaktstufe 1 sowie die Rückkehrer aus Risikogebieten sehr schnell zu identifizieren und nach Hause bzw. in Quarantäne zu schicken. Hierzu mussten in kurzer Zeit von den Betriebsärzten viele, teils gravierende Entscheidungen getroffen werden. In dieser Zeit wurde ein besonders enger Kontakt zu unserem Vorstandsvorsitzenden gepflegt, wenngleich natürlich nicht jede Entscheidung mit ihm abgesprochen werden konnte.

Der größere Teil der infizierten MitarbeiterInnen hatte nur leichte Symptome. Einige wenige fühlten sich stärker erkrankt, keiner musste aber ins Krankenhaus oder sich sonst intensiver behandeln lassen. Zum Glück sind alle damals infizierten MitarbeiterInnen wieder genesen und arbeiten jetzt meist im Homeoffice.

Bemerkenswert ist, dass viele MitarbeiterInnen, die von mir nach Hause oder in Quarantäne geschickt wurden, sich nicht krankgemeldet haben, sondern im Homeoffice weitergearbeitet haben.

ALH: Wie hat die Coronakrise die Arbeit in Ihrem Bereich verändert?

Dr. Hakimi: Die Coronakrise hat die Arbeit in meinem Zentralbereich massiv verändert. Während ich üblicherweise zu 80 – 85 % meiner Arbeitszeit die Zentralbereiche Leistung und Vertrag versicherungsmedizinisch berate und nur zu 15 – 20 % betriebsmedizinisch tätig bin, hat sich dies während der Coronakrise völlig umgekehrt. Plötzlich war ich zu 85 – 100 % als Betriebsarzt tätig, um die täglichen Anforderungen zu erledigen und entsprechende Entscheidungen zu treffen. Während dieser Zeit haben meine ärztlichen Mitarbeiter die versicherungsmedizinische Beratung fast ohne meine Hilfe durchgeführt.

Die erste Welle der Coronapandemie hat unser Unternehmen nur mit mäßiger Wucht getroffen. Dies ist der guten Zusammenarbeit zwischen Vorstand, den Betriebsärzten und allen Zentralbereichsleitern zu verdanken, die in unserem ständigen Koordinationskreis Corona mitarbeiten. Dies war und ist Kooperation auf hohem Niveau.

ALH: Welche Herausforderungen gehen damit einher?

Dr. Hakimi: In der Coronakrise geht es darum, Überblick und einen kühlen Kopf zu bewahren. Neue wissenschaftliche Informationen müssen schnell verarbeitet und umgesetzt werden und genauso wichtig ist es, argumentative Fehlschüsse, die hier und dort abgegeben werden, als solche zu erkennen und abzuwehren. Eine solche Krise ist ein idealer Nährboden für Vorwürfe, Streit, Intrigen und Profilierungsversuche. Zum Glück ist das bei uns nicht so gewesen.

ALH: Als Betriebsarzt stehen Sie in Zeiten von Corona besonders im Fokus. Was leisten Sie aktuell über die normale Versorgung der Mitarbeiter hinaus?

Dr. Hakimi: Aktuell ist es besonders wichtig, die Hygiene- und Sicherheitsstandards im Unternehmen aufrecht zu erhalten bzw. zu verfeinern. Dazu gehören aber auch Lockerungen im einen oder anderen Bereich. Mittelfristig wird es darum gehen, einen größeren Teil der Mitarbeiter aus dem Homeoffice ins Unternehmen zurückzuholen und gleichzeitig chronisch Kranke zu schützen, sowie uns auf eine mögliche zweite Welle vorzubereiten.

Aktuell sieht meine Tagesarbeit so aus, dass ich wieder deutlich mehr versicherungsmedizinische Beratung und Begutachtung durchführe, als betriebsmedizinische Beratung.

ALH: Können Sie einen Überblick geben, wie es aus Ihrer Sicht in den nächsten Monaten weitergehen wird?

Dr. Hakimi: Das kommt ganz auf das Verhalten des neuartigen Coronavirus an. Im Moment ist die Lage entspannt, wir haben in Deutschland relativ wenige Neuerkrankungen und die Zahl der Genesenen wird immer größer. Insgesamt sieht es also gut aus. Wir müssen aber wachsam sein und die globale Entwicklung der Pandemie genau beobachten, um die Wahrscheinlichkeit und die Wucht einer zweiten Welle von Covid-19-Infektionen rechtzeitig zu erkennen und uns vorzubereiten.

ALH: Welche Chancen bringt die Coronakrise Ihrer Meinung nach mit sich – vielleicht auch längerfristig über ein Ende von Corona hinaus?

Dr. Hakimi: Ich glaube, dass uns Corona noch lange begleiten wird, aber hoffentlich ab 2021 eine durch Impfstoffe besser verhinderbare und durch neue Medikamente besser behandelbare Krankheit sein wird.

Die Coronakrise war ein guter Test für unsere Homeofficefähigkeit, die sich seit Beginn der Krise ganz erheblich verbessert hat. Ich glaube, dass wir durch die Coronakrise flexibler und anpassungsfähiger geworden und zusammengewachsen sind. Und ich glaube, dass wir langfristig gesehen, gestärkt aus dieser Krise hervorgehen werden, ganz im Gegenteil zu vielen anderen Unternehmen.

 ALH: Gibt es etwas, was Sie den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in Zeiten von Corona mit auf den Weg geben möchten?

Dr. Hakimi: Seien Sie wachsam – nicht ängstlich, aber vorsichtig und halten Sie die Abstands- und Hygieneregeln auch die nächsten Monate ein und arbeiten Sie mit uns Betriebsärzten weiterhin so gut zusammen, wie Sie es seither getan haben.

Für diese Zusammenarbeit möchte ich mich bei Ihnen allen sehr herzlich bedanken. Sie haben mir damit meine Arbeit in einer schwierigen Krisensituation erheblich leichter gemacht.

ALH: Wir sagen vielen Dank an Herrn Dr. Hakimi für dieses spannende und interessante Interview!

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