Fasten ist mehr als nur nichts essen.

Fasten – bei diesem Begriff knurrt bei Vielen allein schon beim Hören der Magen. Nichts essen dürfen und hungern ist die vermeintlich erste Assoziation. Aber: Hinter dem Fasten verbirgt sich viel mehr als eine weitere Diät.

Während die einen aus religiösen Gründen fasten, steht bei den anderen ein anderes Motiv im Vordergrund. Gefastet wird viel mehr um Körper und Geist zu entspannen, das innere Wohlbefinden zu steigern und zur Gesundheitsprävention. Denn der Verzicht auf Lebensmittel ist nicht zwangsweise ungesund. Leiden wie zu hoher Blutdruck oder Rheuma können entgegengewirkt werden.

Ein weiterer Nebeneffekt: Man nimmt ab. Auch wenn sich so manche jetzt freuen mögen, die Gewichtsabnahme sollte beim Fasten nicht im Fokus stehen. Oft führt das Fasten zwar zu einer Gewichtsabnahme, jedoch zeigt die Waage die verlorenen Kilos nach Ende der Fastenkur meist schnell wieder an.

 Formen des Fastens

Eine einheitliche Fastenmethode existiert nicht. Gefastet wird individuell und an den jeweiligen Gesundheitsstatus angepasst. Die bekanntesten Formen des Fastens sind unter anderem das Wasserfasten (Nulldiät), das Heilfasten nach Buchinger und das Intervallfasten.

Die Nulldiät

Die „Nulldiät“ ist, wie der Name schon vermuten lässt, eine der strengsten Formen. Feste Nahrung ist tabu, somit bleiben wichtige Nährstoffe und Mineralien aus. Ziel ist es, schnell und Gewicht zu verlieren. So gut sich das auch anhören mag, die Nebenwirkungen sind nicht zu unterschätzen. Neben Müdigkeit und Kopfschmerzen kann der radikale Verzicht auf Essen auch ernst zunehmende Folgen wie Mangelerscheinungen und Kreislaufprobleme mit sich bringen.

Das Heilfasten

Eine schonendere Alternative dagegen ist das Heilfasten. Hier werden zwar ebenfalls keine festen Nahrungsmittel zu sich genommen, dennoch ist einmal am Tag Gemüsebrühe sowie ein Fruchtsaft erlaubt. Außerdem sollen Entlastungstage in Form von leichter Kost vor und nach der Fastenzeit den Ein- und Ausstieg erleichtern.

Das Heilfasten hat seinen Schwerpunkt in der mentalen Entwicklung des Fastenden. Während dem Entzug von Nahrungsmitteln soll der Körper zur Ruhe kommen, sich vom Alltag lösen. Auf Beschäftigungen wie Fernsehen etc. soll verzichtet werden, um sich vollkommen auf sich selbst konzentrieren zu können. Dabei helfen Aktivitäten wie Meditation, Lesen oder auch der Aufenthalt in der Natur.

Das Saftfasten

In dieselbe Kategorie wie das Heilfasten gehört das Saftfasten – besser bekannt als Detox-Kur. Hier werden über einen Zeitraum vom 3-5 Tagen ausschließlich Obst- und Gemüsesäfte getrunken. Wasser und ungesüßte Kräutertees stehen unbegrenzt zur Verfügung. Die Säfte sollten 5-7 mal täglich zu sich genommen werden, dies entspricht 1 bis 1 ½ Liter Saft am Tag!

Die Saftkur bringt einige gesundheitlichen Effekte mit sich, unter anderem kommt es zum Abbau der Übersäuerung im Körper, erhöhte Blutfettwerte verbessern sich und das Bindegewebe wird gestrafft. Außerdem erhält der Körper sehr viele Vitamine, Mineralien und Antioxidantien.

Empfehlenswert ist es, die Säfte aus frischen Bio-Produkten selbst zu machen. Es gibt jedoch auch einige Anbieter, die hochwertige, bereits fertige Säfte mit genauer Anleitung und Tagesration anbieten.

Das Intervallfasten

Das Intervallfasten unterscheidet sich wesentlich von anderen Methoden. Eine bekannte Form ist die 16:8 Methode. Das heißt, innerhalb eines Tages darf in einem Zeitintervall von 8 Stunden normal gegessen werden, in den restlichen 16 Stunden wird gefastet. Die Anhänger erhoffen sich eine rapide Gewichtsreduktion, damit fällt diese Art des Fastens eher in die Kategorie Diät.

Für viele ist das Intervallfasten aber nicht nur eine vorübergehende Ernährungsumstellung, sondern viel mehr ein Lifestyle. Dies liegt unter anderem an der bemerkbaren Verbesserung des Körpergefühls und einer Gewichtsreduktion. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung e. V. sieht das Intervallfasten allerdings nicht als sinnvolle Methode zur langfristigen Gewichtsregulation an. Hierbei baue der Körper vor allem Muskelmasse ab und verliere Wasser.

Was passiert im Körper?

Damit der Körper funktioniert, benötigt er ausreichende Mengen an Zucker, Eiweißen und Fetten. Diese nehmen wir mit der Nahrung auf. Fehlen diese Stoffe, weil wir Fasten, reagiert der Körper sofort. Er fängt an, die eigenen Energievorräte zu plündern, um das Gehirn zu versorgen.

Anfangs mit Zucker aus der Leber in Form von Glucose und den Muskeln. Nach ungefähr 1 ½ Tagen ist dieser Vorrat ausgeschöpft und der Körper bedient sich an Notreserven – an bestimmten Eiweißen aus der Leber und in geringem Maß aus Muskeln. Da Eiweiße zu wichtig sind, um sie vollständig zu verbrauchen, greift der Körper auch auf Fettpolster zurück. Bei der Fettverbrennung werden Ketonkörper freigesetzt, welche über den Atem und den Schweiß abgesondert werden, was übrigens zu einem unangenehmen Eigengeruch führen kann.

Während des Fastens ist der Körper in einem „Sparmodus“. Der Kreislauf fährt zurück, der Blutdruck sinkt und das Herz schlägt langsamer. Deshalb fühlen sich viele Menschen anfangs unwohl, müde und die Konzentrationsfähigkeit nimmt ab. Bei Verzicht auf Nahrungsmittel befindet sich der Körper in einem Stresszustand. Jedoch lässt das Hungergefühl nach ein paar Tagen nach und stattdessen macht sich eine innere Ruhe und Ausgeglichenheit breit. Das Gehirn produziert vermehrt das Hormon Serotonin, ein Glückshormon, welches auf unser Gemüt schlägt.

Fasten – Gesund oder Gefährlich?

Es stellt sich nun die Frage, ob Fasten wirklich ungesund ist wie viele glauben oder doch einen gesunden Effekt hat. Eine eindeutige Antwort lässt sich nicht so einfach formulieren. Dass ein bestimmter Verzicht auf Essen unnatürlich oder nur ein vom Menschen erfundener Schlankheitswahn sein soll, ist so schon einmal nicht korrekt. Ein Blick in die menschliche Geschichte zeigt, dass das ständige Angebot von Lebensmitteln kein Dauerzustand war, sondern es durchaus auch Hungerphasen gab. Außerdem wird das Fasten im herkömmlichen Sinn schon viele hunderte Jahre lang praktiziert.

Nichtsdestotrotz sollte man nicht einfach leichtsinnig aufhören zu essen. Entscheidet man sich zu fasten, sollten einige Dinge berücksichtigt werden: Ausreichend Trinken, Ausgleich zwischen körperlicher Bewegung und Ruhe und Verzicht auf schädliche Stoffe wie Alkohol, Nikotin und Koffein. Außerdem ist das Fasten für einige Personengruppen wie Schwangere, Kinder und medikamentös behandelte Menschen nicht geeignet. Empfehlenswert ist es also, vor dem Fasten einen Arzt aufzusuchen, um festzustellen, ob medizinisch etwas dagegen spricht.

Beachtet man bestimmte Voraussetzungen und „Regeln“, kann das Fasten demnach positive Effekte für den Körper und Geist mit sich bringen. Aber Achtung: Fasten ist keine Crash-Diät, und sollte auch nicht als eine solche angesehen werden. Bei nicht richtiger Ausführung kann es zu gesundheitlichen Risiken führen, weshalb eine Absprache mit dem Arzt immer ratsam ist.

Das heißt: Wer fastet sollte gewissenhaft und verantwortungsbewusst an die Sache rangehen, um positive Erfahrungen zu sammeln und das Fasten zu genießen.

 

 

 

 

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