Riesenzecken in Deutschland – Besteht eine Gesundheitsgefahr?

In der Presse und im Internet tauchen in letzter Zeit immer wieder Berichte über Riesenzecken in Deutschland auf. Dabei handelt es sich um die afrikanische Riesenzecke der Gattung »Hyalomma«, die im heißen Sommer 2018 mehrfach gefunden wurde.

Hyalomma bedeutet so viel wie Glasauge. Den Namen haben diese Zecken, weil sie mit ihren großen Augen ihre Opfer aus bis zu 10 m Entfernung ausspähen. Während die einheimische Zecke (»Ixodes ricinus«) im Gras oder Gebüsch wartet, bis ein Opfer kommt und sie abstreift, verfolgen diese Tiere ihre Opfer bis zu 100 m.

Bis zu fünffache Größe

Riesenzecken werden bis zu 2 cm groß und sind damit fünfmal so groß wie der einheimische Holzbock, die hierzulande bekannteste Zeckenart. Charakteristisch sind die rot gestreiften Beine, mit denen sich die Zecken schnell auf ihre Beute zubewegen können. Unklar ist, ob die im Winter überlebenden Zecken überhaupt ausreichen, um eine eigene Population in Deutschland aufzubauen.

Warmes und trockenes Klima

Bei Hyalomma handelt es sich nicht um eine tropische Zecke, wie oft behauptet wird. Sie bevorzugt ein warmes, trockenes Klima und ist im europäischen Mittelmeerraum – vor allem in Südfrankreich, Spanien und Norditalien – sowie auf dem Balkan und in Nordafrika, aber auch in Mittelasien zu Hause.

Bevorzugte Wirte

Die Riesenzecken bevorzugen Rinder, Pferde, Schafe und Ziegen als Wirt und gelangen oft mit Viehtransporten in andere Länder. Bereits 2006 wurden vereinzelt Exemplare von Hyalomma an Zugvögeln gefunden. Damals nahm die Presse allerdings wenig Notiz. Weitere Tiere wurden danach auf Pferden und Schafen gesichtet. 2017 fand sich in Baden-Württemberg ein Exemplar
auf einem menschlichen Hosenbein.

Welche Krankheiten werden übertragen?

Auf einzelnen Zecken wurden sogenannte Rickettsien gefunden. Dies sind die Erreger des Zecken-Fleckfiebers, das sich mit grippeähnlichen Symptomen und später Kopfschmerzen, Schüttelfrost, hohem Fieber und rotfleckigen Hautausschlägen bemerkbar macht. Aber auch andere Erkrankungen wie das Krim-Kongo-Fieber, das vorwiegend bei Kühen, Kamelen, Schafen und Ziegen sowie Kaninchen auftritt, und das arabische hämorrhagische Fieber können durch verschiedene Viren hervorgerufen werden, die in der Riesenzecke hausen.

Auch unsere einheimischen Zecken können verschiedene Infektionskrankheiten auf den Menschen übertragen. Am häufigsten ist die Borreliose – eine bakterielle Infektion durch Borrelia burgdorferi, die bundesweit vorkommt. Seltener, aber noch gravierender ist die Frühsommermeningoenzephalitis (FSME), die durch Viren verursacht wird, die hauptsächlich Zecken
in Süddeutschland in sich tragen.

Wie kann man sich schützen?

Zecken stechen nicht sofort zu, sondern krabbeln oft sehr lange auf Kleidung oder Körper umher, um eine besonders geeignete Einstichstelle zu finden. Nach dem Einstich dauert es noch ca. 1 bis 2 Tage, bis Borrelien übertragen werden. Die Übertragung von FSME-Viren erfolgt allerdings schon innerhalb kurzer Zeit. Mit dem zeitigen Entfernen von Zecken vermindert man vor allem das Risiko, an einer Borreliose zu erkranken. Vor FSME hingegen schützt nur die Impfung.

2018 war auch unser einheimischer Holzbock besonders aktiv. Immerhin erkrankten in diesem Jahr 583 Menschen an der zeckenübertragenen Hirnhautentzündung FSME, wobei die meisten
Fälle in Baden-Württemberg auftraten. Welche Gefahren tatsächlich von der Riesenzecke ausgehen, untersucht zurzeit die Universität Hohenheim. Aufgrund der geringen Verbreitung besteht vermutlich derzeit eine geringere Gesundheitsgefahr als durch die einheimische Zecke.

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